EN231
Empfehlung EN-231
Beheizte Gewächshäuser
Ausgabe Dezember 2026 (materiell identisch mit Ausgabe 2003)
Inhalt und Zweck
Diese Empfehlung behandelt die Anforderungen an beheizte Gewächshäuser, in denen zur Aufzucht, Produktion oder Vermarktung von Pflanzen vorgegebene Wachstumsbedingungen aufrechterhalten werden müssen.
Übersicht der einzelnen Kapitel:
Geltungsbereich
Gewächshäuser, die der Aufzucht, Produktion oder Vermarktung (Nutzung zu kommerziellen Zwecken) von Pflanzen dienen und während der Heizperiode vom 1. Oktober bis 31. März mindestens auf + 10 °C und mehr beheizt werden, gelten als Warmhäuser. Neue Warmhäuser haben den nachfolgenden Anforderungen zu genügen. Für die Sanierung, Erweiterung und Umnutzung gelten die Neuanforderungen, sofern dies technisch möglich und der Aufwand verhältnismässig ist.
Kalthäuser, das heisst Gewächshäuser deren Heizungsinstallation lediglich für die Frostfreihaltung von weniger als + 10 °C ausgelegt ist, sind von den nachfolgenden Anforderungen befreit. Sie benötigen lediglich eine Energieverbrauchsmessung und eine thermostatische Absicherung.
Anforderungen
Für Gewächshäuser, in denen zur Aufzucht, Produktion oder Vermarktung von Pflanzen vorgegebene Wachstumsbedingungen aufrechterhalten werden müssen, gelten die Anforderungen gemäss Empfehlung EnFK «Beheizte Gewächshäuser».
Art. 1.12 (V)
Die Gebäudehülle der Warmhäuser darf den mittleren U-Wert Um von 2,4 W/(m2⋅K) nicht überschreiten.
Wird im Dachbereich Einfachglas verwendet, ist ein Energieschirm mit einem Wärmedurchlasswiderstand R von mindestens 0,23 (m2⋅K)/W einzubauen.
Die Stellplatten zwischen den Punktfundamenten sind bis 40 cm ins Erdreich mit einem Wärmedurchlasswiderstand R von mindestens 1,4 (m2⋅K)/W zu dämmen.
Berechnungen
Für die Berechnung der Hüllenfläche sind die Bauteile ab dem Erdreich massgebend. Der mittlere Wärmedurchgangskoeffizient Um berechnet sind nach der folgenden Formel:
Um = (ARe ⋅ URe + AFe ⋅ UFe + AWe ⋅ UWe + ... ) ÷ (ARe + AFe + AWe + ... ) [W/(m2⋅K)]

Variable | Erläuterung |
|---|---|
ARe | Fläche Dach gegen Aussenklima |
AFe | Fläche der Rahmenprofile |
AWe | Fläche der Wände gegen Aussenklima |
URe | U-Wert des Daches |
UFe | U-Wert des Rahmenprofils |
UWe | U-Wert der Wände |
Der U-Wert des Daches (URe) kann sich aus folgenden Bauteilschichten zusammensetzen:
Dachverglasung,
Luftraum und
einfachem oder doppeltem Energieschirm.
Diese Empfehlung wurde 2002 neu formuliert auf Grund der neuen Begriffe und Bezeichnungen des SIA-Normenwerks. Die vorstehend definierten Anforderungen entsprechen denjenigen der ursprünglichen Ausgabe von 1993. Die ursprüngliche Empfehlung (Ausgabe 1993) war das Resultat intensiver Kontakte mit dem Verband Schweizer Gärtnermeister (VSG).
Beschreibung:
Das Dach besteht aus einer Einfach-Verglasung und einem Energieschirm (Alu).
Die Seitenwände weisen eine Doppelverglasung auf.
Die Stellplatten sind mehr als 40 cm ins Erdreich gedämmt.

Die Wirkung eines Energieschirmes, z.B. auf den U-Wert des Daches URe, wird als zusätzlicher Wärmedurchlasswiderstand (in zwei Teilen: Strahlungsreduktion Rr und Einfluss Luftpolster Rc) zum Wärmedurchlasswiderstand des Glases Rg und des Rahmens RFe addiert.
Rechenwerte für den Strahlungsteil: | Rr (m2⋅K)/W |
|---|---|
Sauber, vollständig beschichtet | 0,300 |
Sauber, halb beschichtet | 0,150 |
Verstaubt, vollständig beschichtet | 0,150 |
Verstaubt, halb beschichtet | 0,075 |
Rechenwerte für den Einfluss Luftpolster: | Rc (m2⋅K)/W |
|---|---|
Abgedichtete, schmale Kammer (5 cm) | 0,150 |
Abgedichtet, grössere Kammer (> 5 cm) | 0,075 |
Einrechnung des Energieschirmes: Beispiel bei einem Einfachglas mit Ug = 5,5 W/(m2⋅K)
U-Wert Glas | Widerstand Glas | Strahlungseinfluss | Einfluss Luftpolster | Summer aller | U-Wert,total |
|---|---|---|---|---|---|
Ug | 1/Ug | Rr | Rc | 1/Ug + Rr + Rc | 1 / Rg,total |
W/(m2⋅K) | (m2⋅K)/W | (m2⋅K)/W | (m2⋅K)/W | (m2⋅K)/W | W/(m2⋅K) |
5,5 | 0,182 | 0,150 | 0,075 | 0,407 | 2,46 |
Zwischen einer sauberen und vollständigen Alu-Fläche (Emmissionsvermögen im Infrarot ε = 0,1) und einem üblichen Baustoff (Glas, ε = 0,9) ergibt sich ein Wärmedurchlasswiderstand von Rr = 0,300 m2K/W. Dieser reduziert sich im Gewächshausbetrieb.
Berechnung des mittleren U-Wertes:
Menge | Fläche | Gesamtfläche | U-Wert | spez. Leistung | |
|---|---|---|---|---|---|
n | A [m2] | n ⋅ A [m2] | U [W/(m2⋅K)] | n ⋅ A ⋅ U [W/K] | |
Giebelwand Süd & Nord | |||||
Glas | 2 | 23,03 | 46,06 | 2,7 | 124,36 |
Rahmenanteil 6 % | 2 | 1,47 | 2,94 | 3,64 | 10,70 |
Fundamentstreifen, 80 cm hoch | 2 | 8,00 | 16,00 | 0,54 | 8,64 |
Stehwand Ost & West | |||||
Glas | 2 | 39,48 | 78,96 | 2,7 | 213,19 |
Rahmenanteil 6 % | 2 | 2,52 | 5,04 | 3,64 | 18,35 |
Fundamentstreifen, 80 cm hoch | 2 | 24,00 | 48,00 | 0,54 | 25,92 |
Dach, östliche & westliche Seite | |||||
Glas | 2 | 152,84 | 305,68 | 2,46 | 751,97 |
Rahmenanteil 6 % | 2 | 9,76 | 19,52 | 1,98 | 38,65 |
Summe | 522,20 | 1'179,56 | |||
Mittlerer U-Wert Um Vorgabe max. 2,4 W/(m2⋅K) | 2,26 | W/(m2⋅K) | |||